Stellplatzreduktion mit wirtschaftlichem Mehrwert
Stellplätze gehören zu den zentralen Kostentreibern im Wohnungsbau, besonders bei der Errichtung von Tiefgaragen. Ihre Reduzierung eröffnet daher erhebliche Potenziale zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Wohnprojekten.
Stellplätze als Kostentreiber
Die Herstellung von Stellplätzen hat einen erheblichen Einfluss auf die Baukosten. Oberirdische Stellplätze kosten in der Herstellung ca. 3.500 €, die Herstellungskosten für Tiefgaragen liegen je nach Ausgestaltung 25.000 € und 70.000 € je Stellplatz.
Gleichzeitig werden diese Kosten über Kaufpreise oder Mieten auf alle Bewohner umgelegt, egal ob ein Stellplatz genutzt wird. Stellplätze erhöhen den Preis von Wohnungen deutlich. So liegt der durchschnittliche Preisaufschlag für Neubauwohnungen mit Tiefgaragenstellplatz bei etwa 10%, im Bestand sogar bei bis zu 47%. Damit wirken Stellplätze direkt preissteigernd auf den Wohnungsmarkt.
Einsparpotenziale durch Stellplatzreduktion
Vor diesem Hintergrund eröffnet die Reduzierung von Stellplätzen ein unmittelbares wirtschaftliches Einsparpotenzial. Jeder vermiedene Stellplatz reduziert den Investitionsbedarf und verbessert die Kostenstruktur eines Projekts. Besonders bei größeren Bauvorhaben summieren sich diese Einsparungen zu erheblichen Beträgen, die die Gesamtwirtschaftlichkeit maßgeblich beeinflussen können.
Flächeneffizienz als wirtschaftlicher Vorteil
Neben den Baukosten ist die Flächennutzung ein zentraler Faktor. Stellplätze beanspruchen erhebliche Flächen, die insbesondere in urbanen Räumen eine knappe Ressource darstellen. Wird diese Fläche nicht für Stellplätze, sondern für mehr Wohnraum verwendet, erhöht sich die ökonomische Produktivität eines Grundstücks deutlich.
Die Reduzierung von Stellplätzen ermöglicht es somit, mehr Wohnfläche zu schaffen oder die Flächen effizienter zu nutzen. Gerade in hochpreisigen Lagen führt dies zu einer besseren Ausnutzung des Grundstückswertes und trägt zur Steigerung der Projektwirtschaftlichkeit bei.
Angebot ≠ Nachfrage
Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Anzahl der vorgeschriebenen Stellplätze häufig nicht dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Der durchschnittliche Stellplatzbedarf liegt bei etwa 1,3 Stellplätzen pro Haushalt, variiert jedoch stark in Abhängigkeit von Lage, Haushaltsstruktur und Mobilitätsangebot. Insbesondere in urbanen Räumen mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist der Bedarf häufig deutlich geringer.
Starre Stellplatzvorgaben führen daher oft zu einer Überproduktion von Stellplätzen, die nicht vollständig genutzt werden. Dies hat zur Folge, dass Kapital in Infrastruktur gebunden wird, deren wirtschaftlicher Nutzen begrenzt ist. Die Reduzierung von Stellplätzen ist somit nicht nur eine Frage der Kostensenkung, sondern auch eine Anpassung an reale Nachfrageverhältnisse.
Die bedarfsgerechte Reduzierung von Stellplätzen hat demnach enormes Potenzial und ist nicht nur eine Frage nachhaltiger Mobilität, sondern ein klarer Hebel für wirtschaftlichere und bedarfsgerechtere Wohnprojekte:
- geringere Baukosten
- effizientere Flächennutzung
- mehr Wohnfläche statt Parkraum
- niedrigere Preise für Käufer*innen und Mieter*innen
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Quellen:
Deschermeier, P., Henger, R., Oberst, C. (2023): Stellplätze im Wohnungsbau: Bedarfe und Preise. Institut der deutschen Wirtschaft.
Oberst, C. (2025): Entscheidungsfaktor private PKW-Stellplätze bei der Wohnungswahl: Ergebnisse eines Auswahlexperiments mit potenziellen Käufern und Mietern. Institut der deutschen Wirtschaft.
Zukunftsnetz Mobilität NRW (2023): Leitfaden zur Musterstellsatzung NRW. 3. Auflage.
