Wohnortwechsel als Schlüsselereignis: Wie ein Mobilitätskonzept vom ersten Tag an wirkt
Der Erfolg eines Mobilitätskonzepts entscheidet sich häufig schon am Tag des Einzugs. Wer dann Fahrrad, Carsharing oder Bus nicht auf Anhieb nutzen kann, greift vielfach zum Auto und diese Entscheidung wirkt oft über Jahre nach. Für Projektentwickler steckt darin eine oft unterschätzte Chance. Warum das so ist, erklärt die Mobilitätsforschung. Sie bezeichnet einen Umzug als Schlüsselereignis, einen Moment, in dem eingespielte Gewohnheiten aufbrechen. Wer diesen Moment nutzt, kann das Mobilitätsverhalten künftiger Bewohnerinnen und Bewohner von Anfang an mitgestalten.
Warum Routinen beim Umzug aufbrechen
Im Alltag wählen Menschen ihr Verkehrsmittel selten bewusst. Das Auto wird genutzt, weil es schon immer genutzt wurde, das Fahrrad, weil es sich bewährt hat. Solche Routinen sind stabil und kaum zu beeinflussen. Ein Umzug durchbricht dieses Muster: Wege zur Arbeit, zu Schulen, zu Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten müssen neu organisiert werden. Genau dann treffen Menschen grundsätzliche Entscheidungen, etwa ob sie ein eigenes Auto brauchen oder ob Bus, Rad und Carsharing den Alltag ebenso ermöglichen.
Die ersten Wochen nach dem Einzug gelten in der Forschung deshalb als besonders sensible Phase, in der sich Routinen bilden, die anschließend nur schwer wieder aufbrechen. Für Projektentwickler liegt darin ein erheblicher Gestaltungsspielraum. Stehen Fahrradabstellanlagen, Carsharing und eine gute ÖPNV-Anbindung von Anfang an bereit, werden sie mit höherer Wahrscheinlichkeit zur Gewohnheit. Fehlen sie, etabliert sich häufig erneut eine Pkw-orientierte Mobilität. Damit sind Mobilitätskonzepte weit mehr als ein Instrument zur Stellplatzreduzierung: Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass nachhaltige Angebote im Alltag tatsächlich angenommen werden.
Dass sie nicht nur theoretisch wirken, zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). In Neubauquartieren mit integriertem Konzept nutzen die Bewohnerinnen und Bewohner den Umweltverbund aus ÖPNV, Rad und Fußverkehr deutlich häufiger als im Bundesschnitt.
Mobilitätsangebote müssen zum Einzug bereitstehen
Aus dieser Erkenntnis folgt eine klare Anforderung an die Projektentwicklung: Das Mobilitätsangebot sollte zum Einzug funktionieren. Wird die Mobilitätsstation erst nach dem Bezug fertig oder das Carsharing-Fahrzeug später geliefert, haben sich die Gewohnheiten häufig schon gebildet.
Drei Punkte sind dabei entscheidend. Erstens müssen die für das Projekt vorgesehenen Mobilitätsangebote zum Erstbezug betriebsbereit sein. Zweitens sollten die Angebote schon vor dem Einzug kommuniziert werden, etwa im Exposé, im Mietvertrag und im Willkommenspaket, denn viele Mobilitätsentscheidungen fallen bereits vor dem Umzug. Um das zu ermöglichen, sollte drittens das Mobilitätskonzept frühzeitig in Planung, Bau und Vermarktung verankert sein.
Wie namowo Sie dabei unterstützt
Genau hier setzt namowo an. Wir entwickeln Mobilitätskonzepte, die zum Erstbezug einsatzbereit sind. Mit unserem Standortcheck analysieren wir schon in der Planungsphase, welche Angebote am Standort zur Zielgruppe passen und wirtschaftlich tragfähig sind. So schaffen wir die Grundlage für einen erfolgreichen Stellplatzschlüssel bei gleichzeitig hoher Aufenthalts- und Lebensqualität.
Quellen
Müggenburg, H.; Busch-Geertsema, A.; Lanzendorf, M.: Mobility biographies: A review of achievements and challenges of the mobility biographies approach and a framework for further research.
Scheiner, J.; Holz-Rau, C.: Räumliche Mobilität und Lebenslauf – Studien zu Mobilitätsbiografien und Mobilitätssozialisation.
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Mobilität in Wohnquartieren – Die Wirkung von zukunftsfähigen Mobilitätsangeboten auf Stellplatzbedarf, Nutzerverhalten und Wohnumfeld in Neubauquartieren.
